Zweite Weihnachtsfeier 2022

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Erwachsene Enten feiern miteinander

(Mainz – eig. Bericht) Als sich gegen Mitternacht endlich die allerletzten Enten auf den Heimweg machten, ging ein sowohl wunder- als auch stimmungsvoller Abend zu Ende. 39 Enten hatten sich zur Enten-Weihnachtsfeier 2022 eingefunden und waren weder vom Programm noch von der Gastronomie enttäuscht worden.

Vorgeglüht hatte man bei Minusgraden ab 18:45 Uhr mit Glühwein und „Kinderpunsch“ vor dem Green Deli, dem Bistro beim Fitnessstudio Green Fit unserer Ente Matthias W.. Nach und nach waren die Enten eingetroffen, jedesmal mit großem Hallo und Umarmung empfangen, sofort in ein Gespräch verwickelt. So musste der Enten-Coach zum ersten Mal zu seiner Trillerpfeife greifen, um endlich alle nach drinnen zu bewegen, wo der Abend – wie bei den Enten üblich – mit einiger Verspätung begann.

Der selbsternannte Enten-Coach auf Lebenszeit begann mit einer bewegenden Ansprache zum Gedenken an zwei in diesem Jahr verstorbene Enten. „Onkel Bertholds“ und unseres Ehrenspielführers Kuno wurde mit einem Rückblick auf ihr Wirken im Kreise der Entenfamilie gedacht, und mit einer Minute der Stille erwiesen wir ihnen noch einmal Ehre.

Dann konnte der entspanntere Teil des Abends losgehen. Der Weihnachtsmann hatte sich nämlich vor der Tür schon eine ganze Weile die Beine in den Bauch gestanden und die Nase rot gefroren, während er auf seinen Auftritt gewartet hatte. „Knecht Ruprecht“ Ronald begrüßte ihn herzlich – und hier gab es schon die erste Besonderheit: Bei den Enten gibt es nur ein goldenes und kein schwarzes Buch, aus dem vorgelesen wird.

Es ging los mit den traditionellen Ehrungen, beginnend mit der berüchtigten Enten-Statistik und den Torschützen des Jahres 2022. Rückwärts zählend arbeitete sich der Weihnachtsmann zu den drei Enten mit den meisten erzielten Toren vor. Ali mit acht und Natan mit zwölf Treffern belegten den dritten und den zweiten Platz. Mit 23 Toren hatte Samir nicht nur den sprichwörtlichen Vogel abgeschossen, sondern auch mehr Buden gemacht als alle Enten zusammen im vergangenen Jahr. Das verdiente einen Pokal, den er auch stolz und erfreut entgegen nahm.

Es folgten der Enten-Kleinbusfahrer Marco, der seit ein paar Monaten bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten für die und mit den Enten unterwegs ist. Der Enten-Titan und „The real bus driver“ Richard, der die Enten auf ihren Reisen durch Europa immer gut und sicher chauffiert, wurde ebenfalls ausgezeichnet.

Die Enten-Reiseführer des Jahres 2022 waren, wie zu erwarten, Joseph und Tilo, die unsere Thüringenreise im Herbst akribisch vorbereitet und professionell-sympathisch geleitet und durchgeführt hatten. Ersterer konnte leider wegen Krankheit nicht an dieser Feier teilnehmen, sodass Tilo in seinem Namen die Auszeichnung und den Preis entgegen nehmen musste. Ganz augenscheinlich bereitete ihm das aber keine besonderen Kopfschmerzen.

Joseph erhielt anschließend sogar noch eine zweite Auszeichnung in Abwesenheit, dieses Mal zusammen mit Edgar. Die beiden zeichnen – im wahrsten Wortsinne – für viele unserer erfolgreichen Bewerbungen bei Ausschreibungen verantwortlich, wofür sie die goldene Enten-Feder verliehen bekamen. „Damit könnt ihr die beiden bereits auf eurem Tisch liegenden Anträge direkt in Angriff nehmen“, gab Le Maître dem Preisträger direkt mit auf den Weg.

Der virtuelle Trommelwirbel war nun zu spüren, wenn auch nicht zu hören, als es an die Auszeichnung der „Ente des Jahres“ ging. Spannung lag in der Luft, es knisterte und funkte. Wer wird es diesmal sein, und mit welcher Begründung? –Alle Enten werden traditionell zur geheimen Wahl im Monat Dezember aufgerufen, und diese Auszeichnung ist so ziemlich die höchste, die eine Ente erhalten kann. Bei der Weihnachtsfeier wird dieses Geheimnis traditionell gelüftet.

Allerdings ist Routine bei den Enten nicht an der Tagesordnung, und so wurde dieses Jahr zusätzlich eine Auszeichnung der ausgefallenen Art vergeben: Die „Spontan-Ente des Jahres 2022“. Shahram aus Afghanistan, 2015 als unbegleiteter jugendlicher Geflüchteter zu den Enten gekommen, erhielt diesen besonderen Preis. Er war nämlich bei unserer Abreise zur Kultur-Kick-Reise nach Thüringen zufällig am Mainzer Hauptbahnhof gewesen, um sich eine Monatskarte zu kaufen. Auf die mehr scherzhaft gestellte Frage des Enten-Coaches „Willst du nicht mitfahren?“ antwortete Shahram mit einem kurzen „Ja, warum nicht?!“ –Und schwupps saß er mit im Bus gen Osten, ohne Gepäck, ohne Kleidung zum Wechseln, ohne Alles.

Wir Enten freuten uns besonders, dass auch unser Ehrenspielführer „Kondor-Klaus“ (die Erklärung dieses Spitznamens kann hier nachgelesen werden) mit seinen mittlerweile immerhin 81 Jahren auch wieder mit dabei war. Weil er seine Fußballschuhe zwischenzeitlich an den Nagel gehängt hatte schenkten wir ihm ersatzweise ein paar bequeme Hausschuhe, selbstverständlich mit unserem Motto „You’ll never watschel alone!“ versehen.

Nun aber kam Le Coach Ronald zum Punkt. „Bei der Wahl zur Ente des Jahres bildeten fünf Kandidaten die Spitzengruppe, wobei einer sich noch einmal deutlich absetzen konnte“, vermeldete er. „Die Ente des Jahres 2022 ist … Wurzel! Unser Trainer der ukrainischen Kinder.“ Unter ehrlichem Beifall, erstaunt und gerührt nahm dieser seine Auszeichnung entgegen, immer noch ein bisschen ungläubig. Als dann aber Ronald einige Begründungen der Wähler zitierte – u.a. hieß es: „die ukrainischen Kinder lieben ihn, und auch deren Mütter“ – ging der tosende Applaus in lautes Gelächter über. Die goldene Ente nahm er mit spitzen Fingern und vorsichtig entgegen, bedankte sich aufrichtig dafür und gab seiner Freude und seinem Glück Ausdruck dafür, ein Mitglied der Entenfamilie sein zu dürfen.

Nun war John an der Reihe, unser schwedischer Aushilfs- und Spontan-Jugendtrainer, der im abgelaufenen Jahr immer dann bereitwillig einsprang, wenn durch Ausfälle Not am Mann gewesen war. Auch er war mehr oder weniger überrascht ob dieser hochverdienten Auszeichnung, die ebenfalls mit kräftigem Applaus gewürdigt wurde.

Was der Weihnachtsmann nicht wusste: In seinem Sack voller Geschenke war auch eines für ihn selbst mit dabei, das ihm der Enten-Coach mit den Worten aushändigte: „Es war nicht leicht, wegen der zahlreichen Personalausfälle auch in diesem Bereich einen Weihnachtsmann zu finden. Aber wir haben es geschafft und bedanken uns ganz herzlich bei Christian für seinen Auftritt.“

Nun konnten die sympathischen Green Deli-Servicekräfte endlich die Suppe und die Hauptspeise kredenzen, flott und ohne Verzögerung. Für letztere sorgten jedoch – wie immer, muss man sagen – einige Enten, die sich nicht mehr daran erinnern konnten, welches Menü sie bestellt hatten. Mit Hilfe von Ronalds Liste, einiger Trillerpfeifenpfiffe und lautem Rufen wurde aber auch diese Hürde genommen. Der Geräuschpegel im Raum sank merklich, wenn auch nicht gegen Null, als sich die 39 Gäste den köstlichen regionalen Speisen widmeten.

Um nach der Haupt- und vor der Nachspeise wieder deutlich anzusteigen, als nämlich unsere beiden bolivianischen Barden Victor und Carlos mit ihren Gitarren auf die Bühne stiegen und die Menge mit „Feliz Navidad“ und anderen Liedern aus ihrer Heimat zu begeistern wussten. Es wurde mitgesungen, geschunkelt und geklatscht; selbst die Leute des Green Deli hatten ihren Spaß und waren mit dabei. Nicht ganz unerwartet konnten die Musiker sogar noch mit Zugaben aufwarten, sodass das Dessert von dem in der Küche alleine(!) wirbelnden Koch noch einmal kurzfristig kalt gestellt werden musste.

Üblicherweise spendet unser Enten-Gärtnermeister Matthias D. eine großzügige Anzahl an Weihnachtssternen (Pflanzen) zu diesen Anlässen. Weil es aber dieses Jahr zu kalt gewesen war hatte er sich alternativ für Zypressen entschieden, puderzuckerartig weiß bestreut und herrlich anzusehen. „Die können etwa 15 Meter hoch wachsen und werden die meisten von uns überleben“, verkündete er in seiner unnachahmlich trockenen Art. Schluck! –Na gut, also eine Hinterlassenschaft für die folgende Generation, dachten sich die meisten. Könnte schlimmer sein.

Trotz dieser wenig subtilen Erinnerung an unser ganz offenbar fortgeschrittenes Alter verbrachten wir den Rest des Abends in gehobener Lautstärke bei eifrigem Entengeschatter, tauschten die letzten Neuigkeiten aus und freuten uns über dieses gemeinsame Erlebnis sowie darüber, dass doch wieder einige seltener zu sehende Enten mit dabei gewesen waren. Ernste Gespräche, lustige Unterhaltungen und Anekdoten aus dem Entenkosmos machten die Runde.

Die ersten Enten begannen, sich zu verabschieden. Die letzten Enten blieben bis um Mitternacht. Alle Enten hatten einen (O-Ton) „Klasse Abend“ miteinander verbracht, versicherten einander der „saisonbedingten Wünsche“ und verabschiedeten sich umarmend, schulterklopfend, noch einmal umdrehend und erneut umarmend voneinander. Hach!

You’ll never watschel alone!

Bewegende Bilder unten, bewegte Bilder sind an dieser Stelle auf unserem Youtube-Kanal zu sehen.

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Kommentar von Richard |

Also ich bin immer wieder sehr beeindruckt, welche Ideen sich die der Coach und sein Team einfallen lassen. Das mit dem Schokoladenbus war einfach nur grandios. Leider kann ich ihn nicht essen, denn er ist zu schade zum essen. Er hat nun einen Ehrenplatz bei mir zu Hause gefunden, wie so manch anderes Entensouvenir auch. Nochmals herzlichen Dank und ich freue mich immer über Enten Events mit meinem Bus.

Kommentar von Heiko Pee |

Schöne und stimmungsvolle Fotos, vielen Dank!
Mit Wurzel als "Ente des Jahres" wurde eine weise Entscheidung getroffen ... mehr als verdient, meinen Glückwunsch Wurzel!