Walther-Bensemann-Turnier 2025
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(Mainz – Edgar L.) Der Auftakt am Freitag war intensiv: Workshops gegen Diskriminierung, bewegende Begegnungen mit Holocaust-Überlebenden und ein feierliches Kabbalat Schabbat in einer hochgesicherten jüdischen Schule prägten den Tag. Am Samstag begann dann das Fußballturnier. Walther Bensemann hätte sich gefreut zu sehen, wie über 100 Jugendliche von Profiteams aus mehreren Nationen gemeinsam auf dem DFB-Campus spielten.
Sportlich wurde den Zuschauern viel geboten – von torreichen Begegnungen wie Slavia Prag gegen Kickers Offenbach bis zu starken Defensivleistungen, etwa des 1. FSV Mainz 05. Doch wichtiger als Tore und Pokale war die Botschaft: ein fairer Wettkampf internationaler Jugendlicher. Das Ziel des Turniers war, erfahrbar zu machen, wie bedeutsam Teamwork über kulturelle und nationale Grenzen hinweg ist – auf dem Platz wie auch in der Gesellschaft.
Gerade im leistungsorientierten Umfeld von Profimannschaften, in dem viele Jugendliche vom Profivertrag träumen, kommt es darauf an, nicht Ellenbogen, sondern Hände auszustrecken. Hierzu leisteten die Organisatoren einen wichtigen Beitrag. Auch mehrere Zeitzeugen blieben zum Turnier: Pieter Dietz de Loos, Sohn eines niederländischen Widerstandskämpfers, der slowakische Jude Pavel David Sivor, der sich der Deportation entziehen konnte, sowie die ungarische Jüdin Eva Szepesi, Auschwitz-Überlebende und den Enten bereits aus früheren Begegnungen vertraut.
Die Enten Edgar, Reza und Kim unterstützten, wie bereits am Vortag John und Eric, die Zeitzeugen tatkräftig, führten Gespräche über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und standen ihnen zur Seite. Ronald übernahm als TLO (Team Liaison Officer) die Schnittstelle zwischen Mainz 05 und den Organisatoren – organisatorisch wie auch pädagogisch, um die Jugendlichen an den tieferen Sinn des Turniers heranzuführen.
Natürlich gab es in den Spielen Emotionen – Unmut über Auswechslungen, strittige Schiedsrichterentscheidungen oder Fouls. Die Turnierleitung war sich ihrer Aufgabe bewusst: Gerade in Drucksituationen muss Respekt gelten – gegenüber Schiedsrichtern, Mit- und Gegenspielern. Verstöße dagegen wurden konsequent mit Karten geahndet. Viele Jugendliche zeigten sich nach Gesprächen einsichtig und entschuldigten sich, was ein wichtiges Lernmoment darstellte.
Am Ende setzte sich sportlich Slavia Prag mit 5:2 im Finale gegen Kickers Offenbach durch. Zum besten Torhüter wurde der Keeper von Maccabi Tel Aviv gewählt, als bester Spieler wurde Mainzer Abwehrchef David Osei ausgezeichnet. Eintracht Frankfurt erhielt den Fair-Play-Preis – eine bemerkenswerte Leistung, da sie als jüngstes Team antraten und trotzdem mit den wenigsten Karten auskamen. Auch der FSV Frankfurt spielte fair und gewann immerhin das Derby gegen die Eintracht.
Dass das Turnier über den sportlichen Rahmen hinaus Werte wie Toleranz und Respekt vermitteln konnte, zeigte sich bei der Siegerehrung: Alle Teams blieben bis zum Schluss, applaudierten einander, es gab keine Provokationen. Besonders die Zeitzeugen erfuhren großen Respekt und Wertschätzung.
Abschließend wurde deutlich: Dieses Jugendturnier ist weit mehr als ein sportlicher Wettbewerb. Es ist ein starkes Signal für Demokratie, Vielfalt und Menschlichkeit – und damit ein wichtiger Gegenpol zum spürbaren Rechtsruck, zu wachsender Diskriminierung, Antisemitismus und zur Gefährdung demokratischer Werte. Gerade in Zeiten wie diesen braucht es solche verbindenden Veranstaltungen mehr denn je.
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