Ruanda-Cup 2019

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Die Erkenntnis des Tages: Eigentlich sind wir Enten auch Afrikaner

(Mainz – Le Coach) 20:50 Uhr, es ist mucksmäuschenstill in der ausverkauften Enten-Arena. Dreihundert überwiegend afrikanische Augenpaare inkl. dem des ruandischen Botschafters richten sich auf Simon. Er kann mit seinem letzten Elfmeter das Endspiel für Ente Bagdad entscheiden.

Die reguläre Spielzeit gegen Ruanda I endete 0:0. Es kommt zum Elfmeterschießen. Manfred, Marcus, Shahram und Mohamed haben sicher verwandelt. Ruanda einmal daneben geschossen. Jetzt gilt’s. Der sehr gute ruandische Torhüter bewegt sich gazellengleich hin und her, er will Simon ablenken. Simon läuft an, trifft den Ball – und dieser landet unhaltbar rechts unten im Netz. Ein nicht zu beschreibender Entenjubel bricht aus, wir liegen uns alle in den Armen, bilden einen Kreis und rufen hüpfend Ente … Bagdad, Ente … Bagdad, Ente … Bagdad. Dem Enten-Coach geht das Herz auf.

Aber dann kehrt Ruhe ein. Die Enten bedanken sich bei den sympathischen afrikanischen Gegenspielern und nehmen sehr gerne deren Glückwünsche entgegen. Ein sehr schönes faires Bild. Es geht zur Siegerehrung. Der ruandische Botschafter, der eigens aus Berlin angereist ist, bedankt sich bei den Teams für das faire Turnier sowie bei Gaspard für die perfekte Organisation. Er ist stolz, heute in der Enten-Arena sein zu dürfen.

Dann bekommen die Mannschaftsführer von Ruanda I und Ente Bagdad unter tosendem Applaus jeweils einen Pokal durch den Botschafter überreicht. Der ruandische Pokal ähnelt sehr stark einem Bienenkorb, Carlos bekommt die klassische Variante. Jetzt hüpfen alle, es wird getrommelt, applaudiert, fotografiert, Hände geschüttelt, ein sympathisches Chaos wie wir es noch nie erlebt haben.

„Ronald, wir können sehr zufrieden sein, es hat alles geklappt, wir hatten ein wunderbares Turnier“, sagt Gaspard, mein neuer Freund aus Ruanda und lacht dabei. Gaspard trägt mittlerweile einen Entenschal, ich ein Ruanda-T-Shirt.

Es ist 21:30 Uhr, der Botschafter ist gerade auf dem Weg zum Ruandatreffen in der Stadt wo er und alle übrigen afrikanischen Spieler und Zuschauer seid 19 Uhr erwartet werden. „Ist es kein Problem, dass ihr alle inkl. Botschafter viel zu spät zur Veranstaltung kommt?“. Gaspard grinst. „Nein, warum? Die Leute aus Ruanda haben sich lange nicht gesehen und haben viel zu erzählen, da fällt es nicht auf, wenn man später kommt.“

Ich bin tief beeindruckt von der Ruhe und Gelassenheit. Ich verstehe: Das ist Afrika. Ohne mitgebrachten Turnierplan, trotz verspäteter Spieler, vergessener Trikots für Ruanda I und Kenia Sharks, fehlender Schuhe sowie völlig aus dem Ruder gelaufendem Zeitplan: Es hat geklappt. Der Enten-Coach hätte einen Nervenzusammenbruch bekommen.

Eigentlich sind wir Enten auch Afrikaner. Bei uns kommen fast alle zu spät, vergessen Klamotten, verlassen frühzeitig das Turnier oder fahren versehentlich mit Schlüssel und Portemonnaie eines anderen Spielers nach Hause. Nur trommeln müssen wir noch lernen. Lieber Gaspard, vielen Dank für den Erkenntnisgewinn!

Lieben Dank aber auch an den Botschafter, alle Spieler, Zuschauer und Helfer. Wir freuen uns auf das nächste Ruanda-Turnier und im nächsten Jahr auf unsere eventuelle Kultur-Kick-Reise nach Ruanda.

You’ll never watschel alone!

Hier noch die Spielergebnisse: Ruanda I – Ente 0:0, Ente - Ruanda II 1:1, Kenia Sharks – Ente 0:1.

Endspiel: Ruanda I – Ente 3:5 nach Elfmeterschießen.

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