Mainzer Rhein-Zeitung – Länderspiel

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Enten und Manager verstehen sich prima

Pressebericht in der Mainzer Rhein Zeitung zum Spiel gegen Wolverhampton

Enten und Manager verstehen sich prima

Die Mainzer Hobby-Fußballer von „Ente Bagdad“ hatten zur WM Besuch aus England und maßen sich mit den „Football Managers“ aus Wolverhampton

Die Mainzer Fußballer von „Ente Bagdad“ haben zur WM Besuch aus England bekommen. Die Hobby-Fußballer der Wolverhamptoner „Football Managers“ maßen sich mit den Mainzern – ausgerechnet einen Tag nach dem WM-Sieg der Engländer gegen Paraguay…

MAINZ. Die Aktiven des Mainzer Hobby-Fußballvereins „Ente Bagdad“ warten auf Gäste aus England: Die „Football Managers“ aus Wolverhampton, ebenso wie die „Enten“ ein Club aus fußballbegeisterten aktuellen und ehemaligen Studenten, haben sich zur WM auf nach Deutschland gemacht. Und suchten zuvor einen Spielpartner im Rhein-Main-Gebiet. Nun sollen sie bei den „Enten“ auf dem Sportplatz in der Ulrichstraße auflaufen.

Das Match beginnt mit Verzögerung: „Wir waren erst auf dem 05-er Platz, jetzt sind wir auf dem Uni-Platz – und wo seid ihr?“ tönt es aus dem Handy. Dann traben sie langsam ein, die 14 Spieler zwischen 20 und 40 Jahren – sichtlich noch beschäftigt mit den Folgen der Feier nach dem 1:0 ihrer Nationalmannschaft gegen Paraguay am Vorabend. Rasche Begrüßung - und dann die Frage: „Was jetzt?“ Beide Mannschaften tragen Rot-Weiß. Doch Wolverhampton ist flexibel, steigt um auf Blau-Weiß.

Anpfiff. Die heiße Sommersonne steht im Zenit, kann also niemanden blenden. Der Wind weht zwar stark, aber von der Seite – Risiken und Nebenwirkungen sind gleichmäßig verteilt. Die erste Viertelstunde bringt alle Mann auf Trab, der 1:1-Ausgleich belebt die Geister. Es gibt einige wenige Irritationen – vielleicht deshalb, weil beide Tormänner im fast identischen Grün gekleidet sind, das sich harmonisch mit dem Trikot des Schiedsrichters ergänzt. Der Ball nutzt derweil ausgelassen die Freiräume rund um den Platz.Halbzeit.

„Darf ich wenigstens zehn Minuten lang spielen?“ bittet ein „Enten“-Reservist inständig. Er darf. Ein erstes Unfallopfer: „Knöchel geknackst“ – das haut selbst dem coolsten Keeper ganz schön rein. Der rheinhessische Hochsommer macht den blau-weißen Insulanern zu schaffen. Trotzdem trifft der Ball noch einige Male in das für ihn bestimmte Gehäuse. Vor 33 Jahren gründeten Ronald Uhlich und Werner Pilsener mit einigen Freunden die „Enten“– „aus Spaß an der Freude am Spiel“. Den Namen erkoren sie im Vertrauen auf märchenhafte Erfolge „ähnlich wie die in 1001 Nacht“, aber auch, um ihren multikulturellen Flair zu betonen: „Unsere Mitglieder zwischen 16 und 76 Jahren kommen aus allen Erdteilen“ – aus Burkina Faso, Kurdistan, Syrien und sogar aus Ostfriesland. Frauen gibt es übrigens keine auf dem Spielfeld. Ohne sie wären die „Enten“ jedoch aufgeschmissen: Sie sind unentbehrlich als anfeuernde Zuschauer oder – wie Kim Esther (12) – auch als Ballgirl.

Der Club aus der Universitätsstadt Wolverhampton – die 250 000 Einwohner zählende Stadt ist unter anderem Heimat der Rockband „Slade“ - besteht seit 22 Jahren und ist ähnlich strukturiert wie die „Enten“. Viele der Mitglieder zwischen 20 und 50 Jahren sind inzwischen in der ganzen Welt verstreut, treffen sich jedoch zu jeder Weltmeisterschaft – und reisen dazu selbst aus Hongkong oder Südafrika an. Im jeweiligen Gastland suchen sie sich Gleichgesinnte, um den Spaß am Fußball zu teilen und neue Freundschaften zu schließen. Über das Internet und dank Vermittlung eines Freundes, des Düsseldorfer Fernsehjournalisten Thomas Zeh, fanden die Engländer zu den „Enten“ nach Mainz – und so konnte es stattfinden, das Länderspiel in Bretzenheim.

Solche völkerverbindenden Kontakte sind ganz im Sinne der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Ministerpräsident Kurt Beck honorierte „die seit Jahrzehnten praktizierte Integration von Mitspielern aus aller Welt“: Am 24. Mai erhielt der Verein den Sonderpreis des Europa-Preises. Gut, dass Kriemhild Uhlich da rechtzeitig in den „Staatsanzeiger“ geschaut hat. So kam die Bewerbung ins Rollen.

Deutsche Volksmythen beschreiben die Ente übrigens als Symbol für Gemeinsamkeit, das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele sowie die Einsicht, dem eigenen Rhythmus zu folgen. Trainer Ronald Uhlich und Pressechef Christian Hinsch finden in dieser Beschreibung ihren Verein wieder. Und zum Spiel hat"s auch gepasst.  

(Trudy Magin)

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