Mainz 05 Traditionself ./. Ente Bagdad ?:4

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Zweistellig? –Nicht mit den Enten

Die Mannschaften prasentieren sich dem Publikum

Hatten wir das nicht schon mal? –Dunkel erinnern wir uns an unser Auswärtsspiel in Dijon im Juli 2012, bei dem die Anzeigetafel nach dem neunten Tor für den (mit Nationalspielern verstärkten) Gegner einfach nicht weiterzählen wollte. So stand es nach dem Kick gegen die Nullfünfer am Pfingstsonntag 2016 dann 0:4 für die Enten, was auch offiziell vom Stadionsprecher als Endstand angegeben wurde.

Wie auch immer: Tausende begeisterte Zuschauer haben auf den Rängen ein packendes Spiel erlebt. Aus der Perspektive der beteiligten Spieler sieht das ja immer ein bisschen anders aus, wie man allwöchentlich bei Interviews der Kicker nach den Spielen hören und lesen kann. Manchmal fragt man sich, ob sie über das Fußballspiel sprechen, das man sich gerade angeschaut hat.

In diesem Sinne also hier ein Einblick in die Gemütslage der Kapitäne unserer vier Teams, die an diesem denkwürdigen Tag auf dem Rasen des Mainzer Bruchwegstadions standen.

Team 1 (Ronald)

14:20 Uhr, Bo Svensson ruft Team 1 in die Mixedzone. Die 05er stehen bereits hintereinander aufgereiht. Die Enten watscheln etwas orientierungslos daneben. Jeder bekommt ein Einlaufkind an die Hand, der Enten-Coach, der die Enten-Riege anführt, sogar zwei (Nola und Roja). Jetzt geht's los.

Der Stadionsprecher kündigt unter tosendem Applaus der zweieinhalbtausend Zuschauer die Teams an. Ein magischer, unfassbarer Augenblick. Wir laufen aus der Mixedzone, vorbei an 05-Präsident Harald Strutz, auf den heiligen Rasen des legendären Bruchwegstadions in Mainz ein. Der Enten-Coach denkt an viele emotionale Momente, den ersten Stadionbesuch 1965, die Südwestmeisterschaft 1973, die Auf-/Abstiege in und aus der 2. Liga, die verpassten Aufstiege in die 1. Bundesliga und dann, unser Traum wurde wahr: der Aufstieg in die 1. Bundesliga.

Zu mehr Müßiggang fehlt die Zeit. Wir sind im Mittelkreis angekommen, winken den Fans zu und verabschieden unsere Einlaufkinder, die jetzt wieder vom Platz laufen. Nur Nola will und will nicht zurück. Das Zureden hilft nichts, sie widersetzt sich allen guten Argumenten und fängt an zu weinen. Eine kritische Situation, die nur mit Hilfe ihres Vaters Tilo gerettet werden kann.

Nun schütteln wir den Schiedsrichtern sowie unseren 05ern die Hände und wünschen ein gutes, faires Spiel. Mannschaftskapitän Schorsch Müller bekommt vom Enten-Capitano die obligatorische Gummiente überreicht, der im Tausch einen 05-Wimpel erhält. Alle Formalitäten sind erledigt, der Schiedsrichter pfeift an. Es entwickelt sich von Beginn an ein munteres Spiel mit Leidenschaft, aber auch viel Freude und Spaß.

Die Taktik geht auf, wir überstehen die erste Minute ohne Gegentor, das Trauma von Dijon ist vergessen. Torwart Paco wird von den 05-Ultras angefeuert. Die Abwehr um Innenverteidiger John steht blendend. Ajmal lässt nichts anbrennen, Ronald nimmt Christian Hock komplett aus dem Spiel und Hossain schließt perfekt die Lücken. Vor der Abwehr zeigt Carlos als Sechser, wie man in Bolivien Fußball spielt. Unser wuseliges Mittelfeld rund um Henrik, Maisam, Shady sowie den erfahrenen Mustapha, deckt perfekt nach hinten ab. Bei eigenem Ballbesitz wird blitzschnell auf Konter umgeschaltet und unsere wieselflinke ägyptische Sturmspitze Beschoy geschickt in Szene gesetzt. Die 05-Abwehr um Niko Bungert und Stefan Bell wackelt gewaltig.

Es dauert acht Minuten, bis das erste Tor der Begegnung fällt und Paco den Ball aus dem Netz holt. Die Enten lassen sich nicht entmutigen, im Gegenteil, der Treffer setzt neue Kräfte frei. Es vergehen keine zwei Minuten und die Enten gleichen durch ein „Tor des Monats‟ von Beschoy aus. Der Bruchweg tobt, die Enten liegen sich in den Armen, Beschoy wird fast erdrückt. Eine wahre Sensation, das Spiel steht nun auf Messers Schneide. Dann die zwölfte Minute, Eckball der 05er, der Enten-Coach ruft noch: „Passt auf den Bell auf!‟, da ist es passiert: Stefan B. gewinnt das Kopfballduell gegen John, 2:1 für die 05er.

Dann die erste Auswechslung auf Seiten der Enten, Paco und der Sultan verlassen unter Standing Ovations das Spielfeld, Bo klatscht sie ab. Uli Kahn ersetzt Paco und Hekmatulah beackert nun die rechte Außenbahn. Uli zeigt in der Folge das Match seines Lebens. Er wird später von den Fans zum Spieler des Tages gewählt und bekommt den Spitznamen „Opa Karius‟. Der 05-Sturm ist am Verzweifeln, Uli ist fast unbezwingbar. Nach zweiundzwanzigeinhalb Minuten und dem aktuellen Spielstand von 5:1 ist die Mission von Team 1 beendet. Überglücklich und zufrieden verlassen wir den Platz und wünschen Team 2 viel Glück.

Team 2 (Kalli)

Schon in der Umkleidekabine machte sich die Aufgeregtheit und Spannung bemerkbar. Das Team 2 musste nach 22 ½ Minuten versuchen, die Höhe der Niederlage zu begrenzen und wenn möglich eigene Tore erzielen.

Als Matchplan hatten wir uns Folgendes ausgedacht: Als Rückhalt hatten wir Eric, den Franzosen, in den Kasten beordert. Als Abwehrriegel hatten wir mit Victor, Matthias D., Matze und Stefan Z. hundert Jahre geballte Freizeitkicker-Erfahrung dem Mainzer „Kreisel‟ aus jungen Hüpfern entgegengestellt. Im Mittelfeld sollte Kalli mit Ali als Doppelsechs die Angriffe schon kurz nach der Mittellinie abfangen. Den Angriff sollten die „jungen Wilden“ mit schönen Ballstafetten gestalten und mit Toren garnieren.

Soweit die Theorie. Leider lief dann alles etwas anders. Die spielfreudigen Mainzer überrannten uns ein ums andere Mal und Eric flogen die Bälle nur so um die Ohren. Die angedachte Spielordnung (war es flache Raute oder gekappte Tanne?) war schnell Makulatur und wir waren weitgehend mit Verteidigen beschäftigt. Schnell machte sich der hohe Altersdurchschnitt unserer Abwehr und unseres Mittelfeldes bemerkbar und es fiel ein Tor nach dem anderen (wie viele waren es eigentlich bei uns?). 

Unsere jungen Wilden haben nur selten den Weg nach hinten gefunden, dadurch gab es große Lücken im Mittelfeld. Diese wurden von den 05ern gnadenlos ausgenutzt. Auch die immer wieder von dem eigens für das Spiel engagierten Trainer Bo Svensson (Ex-05 Profi) aufs Spielfeld gerufenen taktischen Anweisungen konnten die Spielordnung nicht wiederherstellen. So nahm das Spiel dann doch den erwarteten Verlauf.

Spaß hat es trotzdem gemacht und war ein Riesenerlebnis.

Team 3 (Werner)

Die Ansage des Mannschaftskapitäns vor dem Spiel und zur Pause an sein Team war klar und hatte drei eindeutige Messages:
• „Jungs, genießt diesen Moment. Einen solchen werdet ihr vielleicht in eurem Fußballerleben nie wieder erleben.‟
• „Präsentiert Euch bitte wie eine echte Ente: angriffslustig, aber fair, kameradschaftlich, respektvoll und …
• … bitte schießt wenigstens ein Tor!‟

Gesagt, getan: Team 3, gespickt mit talentierten Kickern wie Samir, Florence, Mohamed usw., gestaltete die erste Hälfte der zweiten Spielhälfte zu einem ansehnlichen und zumindest optisch recht ausgeglichenem Spiel. Das Bällchen – übrigens ein Bundesliga-genormtes adidas-Spielgerät namens „Torfabrik“ und für manche „Dagfous“ doch etwas hart und ungewohnt – lief auf dem feinen Bruchwegrasen recht ansehnlich durch die Entenreihen. Unsere orientalischen Enten streuten das eine oder andere technische Schmankerl ein, was umgehend mit rauschendem Beifall von der vollbesetzten (Enten)-Tribüne belohnt wurde.

Vollkommen rastete die Tribüne allerdings dann erst bei folgender Szenenabfolge aus: „Kampfschwein“ Werner startete auf der linken Seite einen Schein-Angriff auf den Mainz 05-Profi Stefan Bell, was von der Tribüne mit einem: „Geh druff. Der kann nix!“ kommentiert wurde. Das Ergebnis kann man sich natürlich ob Werners phänomenaler Zweikampfwerte gut vorstellen.

Aber der Bell hatte die Rechnung ohne den Labusek (Christian) gemacht. Völlig respektlos stürzte sich dieser in seiner typischen Eishockey-Manier auf den Zweimeter-Profi-Hünen, der davon so überrascht war, dass er sich völlig verwirrt ins Seitenaus zockte. Ein absolutes Highlight des Spiels!

Ach ja: Selbstverständlich erfüllte das Team sämtliche Forderungen seines Kapitäns, präsentierte sich vorbildlich und schoss auch noch ein Tor. War es nun Samir oder Florence? Egal. Hauptsache Ente!

Team 4 (Stefan)

Die Zusammensetzung des vierten Ententeams, das am Ende alles rausreißen sollte, war ein wenig improvisiert. Ein paar Absagen hatten uns zunächst dezimiert, allerdings konnten diese wenigstens numerisch ausgeglichen werden. Im vierten Team standen mithin einige Spieler, die in den anderen Mannschaften keinen Platz gefunden hatten, aber unbedingt mitspielen wollten. Auch nummerierte Trikots waren Mangelware, sodass wir schließlich von Bo Svensson mit zwölf Feldspielern auf den Platz geschickt wurden.

Die Aufteilung der Positionen war eine Herausforderung, weil nicht nur alle mitkicken, sondern auch im Angriff spielen wollten. Deshalb waren Spielpositionen und Taktik auch binnen Minuten Makulatur, weil außer dem Torwart und ein, zwei einsamen Abwehrspielern alle nach vorn, dem Ball hinterher und keiner zurückrannte – Ententaktik at its best!

Unsere Stürmerschar aus dem Nahen Osten war sehr darauf bedacht, ein paar Tricks zu zeigen, den Gegner alt aussehen zu lassen und die Galerie bei Laune zu halten. Das klappte auch in einigen Fällen, die dann vom Mainzer Publikum frenetisch gefeiert wurden.

In den meisten anderen Situationen war insbesondere Entenkeeper Christian H. zu bedauern, der oft umsonst durch den Strafraum flog, weil die Nullfünfer sich in Überzahl und technisch versiert von der einfachen Balleroberung an der Mittellinie vor das Entengehäuse kombinieren und dort den einen oder anderen Ball gemütlich im Tor versenken konnten.

Trotzdem hat sich unser Hühnerhaufen nicht schlechter geschlagen als die drei Ententeams vorher, wir haben noch ein Tor geschossen und einige kassiert, aber am Ende stand allen ein Lächeln im Gesicht. Darauf kommt es an, und dass wir den Neuankömmlingen aus anderen Ländern eine schöne Atmosphäre in einem traditionsreichen Stadion bieten konnten, im Spiel gegen eine Mannschaft früherer und aktueller Fußballprofis.

Frei nach dem olympischen Motto: Dabei sein ist alles.

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