Lomo-Cup 2015

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Ein Turnier für die Enten – mal was anderes

Zwei Berichte, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Es berichten Michael K. und Edgar „der Harte” L. parallel und aus unterschiedlichen Perspektiven.

Fangen wir mit dem „Frühaufsteher” an:

Samstag früh war es eine langersehnte Freude, aus dem Bett zu hüpfen. Der Tag versprach eine Leichtigkeit, die mein Gemüt schon lange ersehnte. Ich packte die am Abend zuvor bereiteten Chachapuri (mit Käse und Spinat gefüllten Teigtaschen) und die Auberginen (mit Nuss/Knoblauch gefüllt) ein, küsste die schöne Frau an meiner Seite und fuhr gut bepackt in der Straßenbahn zum Mainzer Hbf. 
Im Bus nach Bretzenheim traf ich Edgar und einen Franzosen. Eric erzählte, dass er es aus Zeitmangel leider nicht geschafft hatte, noch eine Quiche zu backen. Schade. Wir erreichten die Entenarena und wurden von einem Großteil der Entenfamilie empfangen, darunter auch der Entencoach und die liebe Rita. Vieles war bereits vorbereitet, Tische und Bänke wurden aufgestellt. Ich konnte noch helfen, ein Dachzelt für die Sitzgarnitur aufzubauen und zu stellen. Die mitgebrachten Speisen der Enten boten einen internationalen Gaumenschmaus.

Lomo gegen Ente Bagdad: Das erste Turnierspiel wurde angepfiffen. Mit Samir und Beshou spielten die Enten angriffslustig und mit Stephan M. stand eine solide Verteidigung. Ein spannendes Spiel. Selbst ein kleines, kaum bemerkbares Eigentor brachte die Entenkicker nicht aus dem Spielverlauf. Als Zuschauer hatte ich mein Vergnügen, ein solch mutiges und kreatives Spiel zu sehen. Dass nach der Hälfte der Spielzeit die komplette Mannschaft ausgewechselt wurde, mag für den einen oder anderen taktischer Unsinn gewesen sein, für mich jedoch die fairste Methode, alle beteiligten bzw. angemeldeten Enten kicken zu lassen. Coach, gut gemacht! Die neu eingewechselten „Elf” (6) brauchten ein paar Minuten, um sich in das Spielgeschehen einzubringen. Minuten, die wir nicht zu vergeben hatten. Ich möchte mir vorstellen, dass ein gemeinsames Aufwärmen den Spielfluss nicht wichtige Momente gekostet hätte. Doch sich aufzuwärmen liegt im Ermessen der einzelnen Spieler. 


Mitten im Einstiegsspiel kam eine kühle Erfrischung aus einem sonst heiteren Himmel. Dem Coach setzte ich meinen Sonnenhut auf seinen Kopf (Rita meinte: „Jetzt sieht er endgültig wie ein Rentner aus ...”), damit dieser ihn ein wenig vor dem kleinen Regenschauer trocken halten möge. Half nicht viel. Ein wenig durchnässt freuten wir alle uns auf den folgenden Sonnenschein, welcher uns langsam von erfrischten Enten in Brathähnchen grillte. Ich trage noch heute ein angenehmes Rot auf meiner Haut.

Zeit für ein Frühstück. Es war eine Wonne für meinen Gaumen, diese multikulturellen Speisen zu sehen und zu schmecken. Enten, eure Mühen haben sich sehr gelohnt. Für einen angebrachten Preis und einen guten Zweck hau’ ich mir gerne den Bauch voll (... oder noch voller). Jeder, der nicht diese köstlichen Speisen aus aller Länder kosten wollte, ist in meinen Augen ein Narr. Taktisch stand unser Verkaufsstand wohl nicht allzu optimal. Auch hätte ich mir gewünscht, dass der Mikrofonmoderator zwischendurch etwas mehr Werbung für unseren Stand gemacht hätte. Ich hoffe, dass Ihr Enten am 11. Juli ebenso hammermegaaffentittengeile köstliche Speisen mit auf die Insel bringt.

Nun kam es zu einem der wichtigeren Fußballereignisse für diesen Turniertag. Mohamed stand im großen Tor. Ali und ich traten den Ball ins Netz. Ich barfuß mit einer Tasse Kaffee in der Hand war wohl im Treffen des Tores nur bedingt erfolgreich. Ali jedoch bolzte einen Ball nach dem anderen in den Kasten. In mir wuchs ein breites Grinsen. Ali schoss aus 20, 25 Metern und traf mehrere Male das Tor. Erinnert ihr euch noch wie unbeholfen, gar ängstlich Ali am Anfang war? Und erkennt ihr, wie selbstbewusst und engagiert er mittlerweile für jeden Ball rennt? Wie sich seine Balltechnik mehr und mehr bessert? Für mich ein klares Zeichen dafür, dass er sich bei uns Enten sehr heimisch fühlt. Ich freue mich sehr für uns und für Ali, dass wir zusammengefunden haben.

Das Turnier ging weiter und die Entenfamilie wuchs stetig. Jörg kam auch. Er klebte mir ein Stück Klebeband an den Arm. Ein Bekannter von Jörg wurde fast von einem Vogel (keine Ente) beschmutzt. Als Zuschauer des nächsten Entenspiels quakten Jörg und ich ein wenig. Der Bekannte trat einen Schritt zurück und fünf Sekunden später schiss ein Vogel (wie gesagt: keine Ente) auf die zuvor gestandene Stelle. Wir lachten über das Glück, nicht angekackt worden zu sein. Nach etwa zwei Stunden entfernte ich das Klebeband von meinem Arm, an dieser Stelle habe ich keinen Sonnenbrand.

Ich fragte mich, ob ein zweites Frühstück mit Kuchen und Co. eine gute Idee wäre. Ich verkniff es mir. Mustafa überreichte mir im Auftrag von Robert, welchen ich wohl verpasste, als er kurz beim LomoCup vorbeischaute, ein Geschenk. Ich nutze hiermit die Gelegenheit um mich für den Kalender 2015 mit Bildern und Informationen über die georgische Nationalmannschaft zu bedanken: Robert, vielen lieben Dank von mir wie auch von Tamunia, meiner Frau. Klasse, dass du an mich/uns gedacht hast. Wir erzählten unserer Familie in Georgien davon und ich soll dir auch von dort herzlichste Grüße und Dank ausrichten. Ein kleines Geschenk das ganz groß ist. Vielen, vielen Dank.

Mustapha war nach dem morgendlichen Regen noch etwas durchnässt. Ich bot es an und er nahm es an: mein XXL breites georgisches Trikot anzuziehen, um sich etwas zu trocknen. Trotz der körperlichen Unterschiede zwischen uns beiden passte das ihm „leicht” zu große Trikot stattlich. Ein gut aussehender Mann wie Mustapha kann eben alles tragen.

Neben Christians Herzdame und Rita, die den Verkauf der Speisen managten, gab es nun eine weitere Helferin am Entendinner: Flora. Die mit ihren jungen zehn Jahren charmant jeden Gast um ihre Finger wickelte und ’ne Menge Trinkgeld kassierte. Flora, haste echt super gemacht! Ihr anderen Mädels natürlich auch.

Das nächste wichtige Spiel folgte: Beshou, Mustapha und Mohamed gegen Samir, Edgar und mich (ich weiterhin blanken Fußes). Mein Team hat glaube ich 100:0 gewonnen. Auch kam zu dieser Zeit etwa John, eine unserer neuen Enten, mit seiner Frau und seinen beiden Knirpsen.

Direkt im Anschluss ein noch wichtigeres Spiel: Flora, die zwei Jungs von John, John, Samirs Herzdame Lena, Edgar und ich kickten – in wilder Unwissenheit wer mit und gegen wen – auf ein Tor, welches Eric der Franzose hütete. Die Kinder schossen ihre Tore. Zwischen John und mir verstand ich eine unausgesprochene Abmachung, dass wir Großen keine Tore schössen, damit die Knirpse mehr Spaß am Sport wie auch individuelle Erfolgsergebnisse erzielten. Auch Eric hatte sichtlich sein Vergnügen daran, als die Entenküken ihre Tore machten. Ich möchte auch Edgar gratulieren für sein geschossenes Tor.

Zeit fürs Mittagessen. Ein Steakbrötchen mit Ketchup war für mich ein guter Grund, mich mit Alex Grasshoff (Vitesse Vorstand/Verkauf von Steakbrötchen und Co.) zu unterhalten. Wir alberten plump und oberflächlich rum, wie in alten Zeiten. Danke Alex für ein gutes Gespräch in alter Vertrautheit. Lass uns mal ’n Bier zischen! Auch mit Doghan, dem Vitesse Grillmeister des Tages, konnte ich gut plaudern.

Ich hatte kein Feuerzeug mit mir und nuckelte den ganzen Tag an ein, zwei Zigarren. Kommt der junge Mann mit türkischen Wurzeln und deutscher Biographie, dessen Namen ich mir nicht merken konnte, wie versprochen bald zum Entenkick? Ihm verdanke ich Feuer für den Stumpen.

Es war ein Spaß, ein wenig die Turnierspiele zu beäugen. Jedoch war es für mich ein riesiges Vergnügen, mit den Kindern, den Damen und auch den Spielern der Enten rumzukicken und zu -albern. Wahrscheinlich ist mein Bericht nicht allzu aufschlussreich bezüglich des Turniererfolges. Es wurden auch Sachen versteigert und Ansprachen gehalten, es gab wohl auch einen Turniersieger, doch den für mich wichtigen Teil des Turniers habe ich erwähnt: die Entenfamilie.

Quak Quak, Michael

 

Als zweiter kommt nun unser belgischer Berichterstatter zu Wort:

Engagiertes Ententeam beim erfolgreich durchgeführten 6. Lomo-Cup

Am 13. Juni fand der 6. Lomo-Cup unter dem Motto „Kicken für Ente Bagdad” statt. Die Startgebühr sowie sonstige Spenden sind dem Flüchtlingsprojekt von Ente Bagdad zugeflossen. Zu diesem besonderen Anlass haben die Enten ihren Einsatz daher nicht nur auf dem Platz gezeigt, sondern auch vor Ort beim Auf- und Abbau, beim Verkauf von Essen + Trinken sowie in den eigenen vier Wänden als Köche oder Bäcker.

Zunächst jedoch zum Sportlichen. Dieses Kleinfeldturnier mit insgesamt 16 Mannschaften fand in der heimischen Entenarena statt, wodurch wir uns einen kleinen Heimvorteil versprochen hatten, auch wenn es auf ungewohnten Kleinfeld stattfand. Auch dass — wie für uns gewohnt — ohne Abseits- oder Rückpassregel gespielt wurde, sollte uns entgegenkommen. Das Grätschen mit Freistoß für die gegnerische Mannschaft geahndet wurden, passte ebenfalls zum fairen Spielstiel der Enten. 

Um allen zehn Enten-Feldspielern (es wurde mit einem Torhüter und fünf Feldspielern gespielt) die Möglichkeit zu geben, ungefähr gleich lange zu spielen, hatte unser Entencoach die weise Idee gehabt, das Ententeam in zwei ausgeglichene Blöcke aufzuteilen, wobei in beiden Blöcken sowohl offensive als auch defensive Kräfte vertreten waren. Eric der Franzose war als Torhüter in beiden Blöcken gesetzt. Block 1 der Feldspieler: Christian L., Stephan M., Quasem, Samir, Beshou. Block 2 der Feldspieler: Edgar, Ali, Marcus, Mustapha, Mohamed. Jeder Block sollte ca. acht der 16 Minuten eines jeden Spieles auf dem Platz stehen. Wir Enten wurden in die schwierige Vorrundengruppe A zugelost.

Im ersten Spiel kam es zum Aufeinandertreffen zwischen Ente Bagdad und Lomo. Nach einer ersten Phase des Abtastens übernahm der 1. Block der Ente die Kontrolle des Spieles. Beshou und Samir nutzten im Angriff ihre technischen Vorteile und erzielten – von ihren Mitspielern gut eingesetzt - je einen Treffer zur 2:0 Entenführung. Die Abwehr stand – trotz eines verwirrenden Trikots des Schiedsrichters (durch seine Trikotfarbe wirkte er wie ein weiterer Lomospieler) – sicher, bis es zu einem unglücklichen Eigentor kam, welches durch ein Missverständnis zwischen dem Torhüter und einem Verteidiger verursacht wurde.

Anschließend fing es an zu regnen und der 2. Entenblock übernahm. Aufgrund der Führung wurde sich zunächst auf das Verteidigen der Führung konzentriert. Dies schien zu funktionieren, da die Entenabwehr stand und das Lomo-Team sich nicht bis in Nähe des Ententores kombinieren konnte. In diesem Zusammenhang setze das Lomo-Team vermehrt auf Weitschüsse und profitierte davon, dass Flachschüsse auf dem nassen Untergrund beschleunigt wurden. So drehte das Lomo-Team dieses Spiel noch durch zwei solcher Fernschüsse in den letzten Minuten, wobei Marcus beim Stand von 2:2 die Chance hatte, die 3:2 Führung für die Enten zu erzielen. Sein Schuss auf Pass von Mustapha landete jedoch knapp neben dem Lomo-Tor. Die Enten starteten also mit einer unglücklichen 2:3 Niederlage ins Turnier.

Im zweiten Spiel bei nun wieder trockenen Bedingungen musste für die Enten nun schon fast ein Sieg her, um noch ein Chance aufs Weiterkommen zu haben. Gegen das Team Bozlar wurde der 1. Entenblock jedoch kalt erwischt und lag schnell 1:0 durch eine schöne Kombination des Gegners zurück. Anschließend war es ein abwechslungsreiches Spiel mit Chancen auf beiden Seiten, wobei die Enten jedoch leichtes Übergewicht hatten. Kurz bevor es zum Blockwechsel kam, gelang Quasem durch eine schöne Kombination der verdiente Ausgleich zum 1:1. Diesmal ging der 2. Block mit mehr Mut zur Offensive zu Werke und erspielte sich mehrere gute Chancen. Eine dieser Möglichkeiten nutzte Mohamed zum umjubelten 2:1. Die Abwehr stand sicher und diesmal wurden auch keine gefährlichen Fernschüsse mehr zugelassen, so dass der Sieg ohne nennenswerte Probleme über die Zeit gebracht werden konnte.

Im dritten und abschließenden Vorrundenspiel ging es dann gegen den Turnierfavoriten Glanzstück, der die ersten beiden Vorrundenspiele mit 7:0 und 6:0 gewonnen hatte. Die Enten ließen sich jedoch von diesen Resultaten nicht entmutigen und wollten ihre Chance nutzen, um durch ein gutes Ergebnis vielleicht doch noch im Turnier bleiben zu können. Der 1. Entenblock ging auch gleich zu Beginn durch eine direkt verwandelte Ecke von Samir mit 1:0 in Führung. Anschließend drehte Glanzstück jedoch mit drei Treffern durch gekonnten Angriffsfußball und dynamisches Pressing das Spiel. Als der 2. Block übernahm war zwar der Wille da, wie im Spiel gegen Team Bozlar nach vorne zu spielen, um das Spiel noch zu drehen. Glanzstück verhinderte aber durch gutes defensives Stellungsspiel, dass die Enten sich gute Chancen herausspielen konnten. Darüber hinaus setzte Glanzstück durch ihr gekonntes Kombinationsspiel und starke Dribblings die Entenabwehr unter massivem Druck. Mit Einsatz und teilweise gekonnter Manndeckung wurden jedoch kaum Chancen zugelassen und es fiel auch nur noch ein Tor zum 1:4. Unter Einbeziehung, dass Glanzstück neben den anderen beiden Vorrundenspielen auch ihr Viertel- und Halbfinale mit mehr als 5 Toren Unterschied gewonnen hat, war dies eine respektable Leistung.

Leider reichten die engagierten Leistungen der Enten nicht, um die Vorrunde zu überstehen, da das Lomo-Team sein letztes Spiel gegen Team Bozlar gewann und als Tabellenzweiter der Gruppe A ins Viertelfinale hinter Glanzstück einzog. Das engagierte Ententeam beendete das Turnier also als Tabellendritter der Vorrundengruppe A und musste die weiteren Spiele (Viertel-, Halbfinale und das Finale) leider vom Spielfeldrand beobachten. Das Turnier endete mit dem verdienten Turniersieg des Teams Glanzstück, welches im hochklassigen Finale das Team Old Man mit 2:0 bezwang.

Trotz Ausscheidens in der Vorrunde blieb fast das komplette Ententeam vorbildlich bis zum Turnierabschluss vor Ort, sorgte für gute Stimmung und half auch abschließend beim Abbau mit. In der Pause zwischen Vorrunden- und Viertelfinalspielen konnte unser Entencoach den Turniergästen unseren Verein sowie das Flüchtlingsprojekt näher bringen, um ihnen auch zu vermitteln, wie die Einnahmen des Lomo-Cups verwendet werden. Dies wirkte motivierend auf das Publikum, so dass beim Versteigern der Handschuhe von Loris Karius und eines Trikots von Cenk Tosun im Dienste von Besiktas Istanbul zusätzliches Geld für den wohltätigen Zweck zusammenkam. So erhielten wir von der Organisation des Lomo-Cups 830 Euro für die Entenkasse.

Wie zu Beginn des Artikels erwähnt, haben die Enten auch in den eigenen vier Wänden ihren Teil zum Erfolg des Turnieres beigetragen, indem den Gästen internationale Küche und Getränke angeboten werden konnten. So kamen die Turniergäste nicht nur fußballerisch, sondern auch kulinarisch voll auf ihre Kosten. Durch den Essensverkauf konnte das Team um die charmante Kassenfrau Flora weitere 265 Euro für die Entenkassen beisteuern. Zusätzlich zu den 20 Euro Erlös des Kaffeeverkaufs wurden insgesamt als beachtliche 1.115 Euro für das Flüchtlingsprojekt von Ente Bagdad eingenommen.

Abschließend möchten wir noch die gute Organisation sowie das vorbildhafte und faire Verhalten aller Teilnehmer und Gäste hervorheben, die dafür gesorgt haben, dass der 6. Lomo-Cup für alle zu einem angenehmen Erlebnis wurde.

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