Kulturkickreise 2022 nach Thüringen

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Ein Reisebericht

(Mainz – Joseph L.) Die diesjährige Kulturkickreise führte uns nach Thüringen. Vom 30. September bis zum 3. Oktober 2022 machen sich fast 50 Enten auf, um einmal mehr über den Tellerrand zu blinzeln, um gemeinsam zu verreisen, um alte Freundschaften zu pflegen und neue zu knüpfen. Vorhang auf für unsere diesjährige Kulturkickreise nach Thüringen.

Freitag, 30. September 2022

Wir treffen uns, wie im vergangenen Jahr, am Mainzer Hauptbahnhof. Nach einem langen Sommer hat uns der Herbst eingeholt. Aber das Wetter ist besser, als erwartet. Die Sonne scheint. Schon beim Gruppenbild wird deutlich: das Interesse an unserer Safari in den Osten ist riesig. Jede*r Zweite am Mainzer Bahnhofplatz scheint Ente zu sein. Wildes Geschnatter ringsherum. Vorfreude.

Endlich sind wir vollzählig und der Bus kann ablegen. Wie im Vorjahr sitzt unser Titan Richard am Steuer. Unterwegs gibt es das Enten-Quiz von Joseph, Tilo und Rojin sowie eine längere Pause, bei der wir alle mit köstlichen Muffins und heißem Café versorgt werden. Auch zeigen die Enten, wie progressiv sie sind, denn: Nur die weiblichen Enten trinken in der Pause einen Sekt!

An der Grenze zwischen Hessen und Thüringen, der alten innerdeutschen Grenze, merken wir … nichts. Wo früher Beton, Stacheldraht und die Grenzübergänge waren, fliegen heute herbstgefärbte Felder und Wiesen vorbei. Es ist dennoch ein Moment, an dem man kurz inne hält, zurückblickt und sich erinnert. Wo war ich, als die Mauer fiel? Wie war mein erster Besuch „drüben“?

Gegen Abend erreichen wir unser Hotel. Das Berghotel in Friedrichroda. Mit seinen 457 Zimmern auf zwölf Etagen ist es heute das größte Hotel in Thüringen. Das Hotel wurde 1980 in der DDR als Erholungsheim „August Bebel“ erbaut. In der DDR waren alle Menschen gleich. Und noch gleicher waren jene, die früher in diesem Hotel übernachten durften: kinderreiche Familien und Bürger mit guten Kontakten zur Regierung.

Das ist heute zum Glück anders. Die Enten, groß und klein, flattern aufgeregt in ihre Zimmer. Trotz der Größe ist es ein angenehmes Hotel. Wir essen gemeinsam noch zu Abend. Für die Enten, die wach bleiben, steht dann noch ein erstes Highlight auf dem Programm. Wir feiern unsere Ente Shady und seinen Geburtstag. Pünktlich um 0:00 Uhr wechselt der DJ sein Programm und wir lassen Shady hochleben. Sogar andere Hotelgäste lassen sich von der Feierlaune anstecken. Die Enten sind angekommen.

Samstag, 1. Oktober 2022

Leichte Katerstimmung am Samstag. Das Wetter spielt nicht mit. Regen und verhangene Wolken. Der Wind spielt mit den Baumwipfeln, die das Hotel umgeben. Dafür wird unsere Gruppe noch einmal größer. Schon am Vorabend kommen unsere vier Seeenten aus Hamburg an. Jetzt ist Zeit für ein Wiedersehen.

Unser Programm führt uns nach Weimar. Fahrzeit ca. eine Stunde. Bei den Enten ist bekanntlich auch der Bus ein Lernort. Dafür Sorge tragen dieses Mal Tilo und Joseph, die häufig das Mikrofon ergreifen und das Programm vorstellen. Unterstützung erhalten Sie von unseren Küken, die den Bus immer wieder in eine Impro-Bühne verwandeln.

Angekommen in Weimar, entdecken wir gemeinsam mit zwei Stadtführerinnen die ehemalige Landeshauptstadt Thüringens, die heute überall in der Welt für die BauhausArchitektur und für die literarischen Legenden Goethe und Schiller bekannt ist. Vor dem Goethe-Schiller-Denkmal auf dem Theaterplatz posieren wir für ein erstes Enten-Familienbild. Auf dem dahinter gelegenen Nationaltheater steht geschrieben: Diplomatie! JETZT! Frieden.

Anschließend erkunden wir Weimar auf eigene Faust – die ersten Rostbratwürste werden verköstigt, das Wetter bessert sich, die Sonne grüßt, Spaziergänge, Goethes Gartenhaus, Pferdekutschen, Bauhaus-Museum, das Bach-Denkmal, Bundesliga-Spieltag und Döner.

Weimar bietet viel. Per WhatsApp-Nachricht kommt bereits um 13:48 Uhr die dringliche Durchsage des Enten-Präsidenten: „Bitte nicht zuviel essen, es gibt nachher noch reichlich Essen.“

Gesagt, getan. Im Benediktiner Wirtshaus im joHanns Hof treffen wir uns 17:30 Uhr. Das Essen schmeckt. Wir sitzen draußen im Hof. Der Regen plätschert auf das Zeltdach. Kurz vor Aufbruch kommt dann noch eine echte Überraschung. Die Küche serviert einen spektakulären Kuchen für unsere Geburtstags-Ente. Der Kuchen sieht nicht nur toll aus, sondern schmeckt auch so. Happy Birthday, Shady. Bleib so wie Du bist!

Sonntag, 2. Oktober 2022

Machtday! Wir freuen uns auf das traditionelle Freundschaftsspiel, das heute ansteht.

Doch vorher fahren wir zu einem wichtigen Erinnerungsort in Erfurt. Wir besuchen die Bildungsstätte im ehemaligen Verwaltungsgebäude des Unternehmens Topf & Söhne. Die Firma stellte im Dritten Reich einen Teil der technischen Ausstattung für das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau her. Benni Grünewald von Spirit of Football begrüßt uns. Benni ist ganz klar einer von uns. Ein Pfälzer in Erfurt, ein Überzeugungstäter für die Integrationskraft des Fußballs. So muss es sein. Er führt uns durch die Bildungsstätte und erklärt uns, wofür Topf & Söhne steht. Wie bei jeder guten Bildungsstätte verlassen wir den Ort mit Fragen, die wir nicht beantworten können. Wir werden die Fragen mitnehmen.

Dann steht das Spiel an. Der Platz befindet sich in Möbisburg, einem Ortsteil ganz im Süden von Erfurt. Der Bus bringt uns. Die Aufstellung, über die lange gemutmaßt wurde, wird nun endlich bekannt gegeben. Wir spüren das Kribbeln und können es kaum erwarten. Ein richtiger Rasen, kein Kunstrasen, gute Bedingungen, etwas rutschig, das Wetter passt. Bald kommen auch Benni und die Freundinnen und Freunde von Spirit of Football. Wir begrüßen uns herzlich. Es ist fast so, als würden wir uns schon länger kennen. Vor dem Anpfiff werden wir offiziell auch seitens der Stadt Erfurt begrüßt. Dann kommen beide Mannschaften zusammen – alle gemeinsam in einen Kreis und hoch die Hände! Das Spiel endet nach 90 unterhaltsamen Minuten mit 5:5. Die Tore bei den Enten schießen Samir (4) und Shady (1). Alle Mannschaftsteile spielen auf gutem Niveau, der Enten-Präsident ist sichtbar zufrieden.

Nach dem Spiel ist Zeit für ein ausführlicheres Kennenlernen. Der Grill ist an, es gibt Salate, Brot, Bier und Bionade. Die Erfurter haben keine Mühen gescheut. Ein eigens aufgebautes Zelt schützt vor dem Regen, der immer mal wieder kurz einsetzt. Unsere Küken und Kinderenten arbeiten unermüdlich an Freistößen und Schusstechnik.

Andrew, Präsident und Gründer von Spirit of Football, erklärt uns, wofür sein Verein steht und was die nächsten Projekte sind. Mit einem von tausenden Menschen unterschriebenen Fußball will man bis zur Frauen-WM nach Australien und Neuseeland reisen und dabei für FairPlay, Zusammenhalt und Respekt werben. Wir hoffen auf ein Wiedersehen mit Spirit of Football in Mainz.

Richard fährt uns zurück ins Hotel. Wir sind müde aber die Stimmung stimmt. Viele sitzen später noch bis Mitternacht in der Hotelbar zusammen, es wird leidenschaftlich UNO gespielt, es wird gelacht, Fußball läuft im Hintergrund.

Montag, 3. Oktober 2022

Der letzte Tag. Abreise. Aber vorher steht noch einiges auf dem Programm. Wir frühstücken eilig und dann geht es gemeinsam auf die Wartburg.

Die Wartburg wurde um 1067 erbaut und gehört seit 1999 zum UNESCO Weltkulturerbe. In der Burg bekommen wir eine kurzweilige Führung, die Geschichte mit Humor verbindet. Fotos sind nicht erlaubt. Dafür lernen wir viel über die Bedeutung der Burg für die deutsche Geschichte. Im Anschluss fahren wir weiter in den Nationalpark Hainich.

Dabei handelt es sich um einen der letzten großen Buchenwälder und um die größte nutzungsfreie Waldfläche Deutschlands. Wir flattern hinauf zum Baumwipfelpfad. Oben angelangt staunen wir über die Weite der Landschaft, über die Schönheit der Natur.

Wieder auf der Erde machen wir uns auf zum Bus. Die Rückfahrt nach Mainz steht an. Die Fahrt endet dort, wo sie ein paar Tage vorher begonnen hatte. Wir sind wieder am Mainzer Hauptbahnhof, wohlbehalten und mit vielen neuen kleinen Geschichten, die eingehen werden in die große Enten-Geschichte.

Ein besonderer Dank gilt den Förderern und Unterstützern der Kultur-Kickreise 2022, der Stadt Mainz sowie dem Landessportbund Rheinland-Pfalz.

You’ll never watschel alone!

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