Julius Hirsch Preis-Verleihung 2020 und 2021

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DFB ehrt Gewinner des Julius-Hirsch-Preises

(Mainz – eig. Bericht) Insgesamt sechs Organisationen und Initiativen wurden mit dem Julius-Hirsch-Preis des DFB ausgezeichnet. Mit der Stiftung des Preises erinnert der DFB seit 2005 an den deutsch-jüdischen Nationalspieler Julius Hirsch (1892–1943) und an alle Opfer des Nationalsozialismus.

Weil 2020 keine Preisverleihung stattfinden konnte wurden am Montag, dem 22. November 2021, auch die Gewinner des vergangenen Jahres ausgezeichnet.

Zu den bisherigen Preisträgern zählen der FC Ente Bagdad, Hertha BSC, Fußballfans gegen Homophobie und die Toten Hosen.

Der Namensstifter des Preises Julius Hirsch wurde bereits als 19-Jähriger in die deutsche Nationalmannschaft berufen. Ein Jahr später nahm er an den Olympischen Spielen in Stockholm teil. 1914 gewann er mit der Spielvereinigung Fürth den deutschen Meistertitel. Als Soldat im Ersten Weltkrieg wurde er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.
1933 brach dann für den Spitzenspieler eine Welt zusammen – als Jude wurde er aus seinem Sportverein, dem Karlsruher FV, ausgeschlossen. Zehn Jahre später wurde er nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Nachdem die Preisträger bereits am Vorabend durch das Mainz 05-Vorstandsmitglied Dr. Jan Lehmann beim Heimspiel gegen den 1. FC Köln in der MEWA Arena begrüßt worden waren, hatte der FC Ente Bagdad die Freude und Ehre, ein kleines Kulturprogramm zu organisieren.

Bei herrlichem Winterwetter (Sonne und Kälte) führten die beiden Enten-Stadtführer Elmar und Werner in zwei Gruppen durch das jüdische Mainz. 

Neben den rheinland-pfälzischen Städten Speyer und Worms gehört Mainz zu den sogenannten SchUM-Städten. Die Abkürzung SchUM steht für die Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen, hebräischen Namen von Speyer, Worms und Mainz. Alle drei Städte verbindet ein bedeutendes jüdisches Erbe, weshalb die SchUM-Städte Mainz, Worms und Speyer im Juli 2021 durch das UNESCO-Komitee zum Welterbe erklärt wurden. Die SchUM-Städte sind damit das erste jüdische Welterbe Deutschlands.

Bereits seit dem 10. Jahrhundert bildeten sich jüdische Gemeinden in Mainz, Worms und Speyer. Damit ist Mainz eine der ältesten und traditionellsten jüdischen Gemeinden in Europa. Im Mittelalter war die Stadt Zentrum jüdischer Lehre und Religion.

Die 1912 nach dem Entwurf des Stuttgarter Architekten Willy Graf errichtete Hauptsynagoge an der Kreuzung von Hindenburg- und Josefsstraße war in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 geplündert und in Brand gesetzt worden. Im September 2010 wurde die neue Synagoge an gleicher Stelle eingeweiht – und diese durften wir ausnahmsweise besichtigen: Ein weiteres Highlight für die Mainz-Besucher.

Am Abend des 22. November ging es dann in das Gesellschaftshaus im Frankfurter Palmengarten, wo der DFB in feierlichem Rahmen mit Ansprachen, Geschichten, Musik und Gesprächsrunden die Preisträger ehrte. Hierzu waren die Enten ebenfalls eingeladen, hatten Sie doch diese höchste Auszeichnung für Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus, die der DFB zu vergeben hat, zuletzt im Jahre 2019 verliehen bekommen. Einen Ehrenpreis bekam auch unser israelischer Freund Oded Breda, dessen Dokumentarfilm „Liga Terezin“ wir im Rahmen der Mainzer Erinnerungswochen 2018 gezeigt hatten.

Nach zweieinhalb Stunden öffentlichen Programms gab es dieses Mal leider aus Pandemiegründen keinen informellen Teil als „Get Together“. Also begaben sich Preisträger und Enten wieder zurück nach Mainz, wo man bei Speis und Trank noch bis in die frühen Morgenstunden des Dienstags zusammensaß.

Ein für die Preisträger nach eigenen Aussagen „erlebnisreiches und wunderschönes Wochenende“, bei dem einige von ihnen zum ersten Mal ihre aus zahlreichen Videokonferenzen bekannten Entenfreunde in 3D sehen und in den Arm nehmen konnten.

You’ll never watschel alone!

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