Gemeinsam für Erinnerung und Vielfalt

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Pressemitteilung des FC Ente Bagdad

(Mainz – Christian H.) Wenn am 19. Januar um 20:30 Uhr das Heimspiel der 05er gegen Union Berlin angepfiffen wird, dann werden die rund 30.000 Zuschauer in der Mainzer Arena wieder Zeuge einer ganz besonderen Aktion vor Spielbeginn gewesen sein. Zum wiederholten Male präsentieren die Mainzer Hobbykicker vom FC Ente Bagdad zusammen mit dem FSV Mainz 05 und weiteren Netzwerkpartnern aus Sport, Politik und Gesellschaft auf dem Rasen ihr großflächiges Banner mit dem Aufdruck „Gemeinsam für Erinnerung & Vielfalt“. Viele Enten-Spieler werden dabei mit Kippa auflaufen. Mainz-05-Präsident Stefan Hofmann, der rheinland-pfälzische Innenminister Michael Ebling sowie ein Vertreter des Gästeteams von Union Berlin werden zudem kurze Reden zum Thema halten.

Damit läuten die Organisatoren auch die „Mainzer Erinnerungswochen“ ein, die in diesem Jahr vom 19. Januar bis zum 02. Februar mit zahlreichen Veranstaltungen der Opfer der Gräueltaten zu Zeiten des Nationalsozialismus gedenken. „Wir wollen erneut auf die Verfolgung und Ermordung der Juden sowie Minderheiten und Andersdenkender während des Nationalsozialismus aufmerksam machen“, betont Enten-Präsident Ronald Uhlich. Die „Mainzer Erinnerungswochen“ finden rund um den jährlichen „Erinnerungstag im deutschen Fußball“ der Initiative „!Nie Wieder“ statt. Der Gedenktag findet 2024 bereits zum 20. Mal statt, erneut in der zweiten Januar-Hälfte.

Dabei liegt der Fokus in diesem Jahr unter anderem auf den Menschen, die während der NS-Herrschaft zur Zwangsarbeit in Deutschland gezwungen wurden. Nach Angabe der Stiftung EVZ mussten im Deutschen Reich zwischen 1939 und 1945 schätzungsweise über 13 Millionen Menschen Zwangsarbeit leisten; in den besetzten und kontrollierten Gebieten weitere 13 Millionen. Zwangsarbeit war nahezu allgegenwärtig und überall.

Über die menschenunwürdigen Zustände der Zwangsarbeit auch in der Region Mainz können sich Interessierte im „Haus des Erinnerns“ (Flachsmarktstraße 36) in einer Ausstellung zum Thema „Zwangsarbeit für den Endsieg“ informieren (22.01.-02.02., geöffnet täglich montags – freitags von 10:00 bis 16:00 Uhr). Eröffnet wird die Ausstellung am 21. Januar um 18:00 Uhr mit einem Vortrag über „Zwangsarbeit für den Endsieg: Das KZ Mittelbau-Dora 1943-1945“.

Mittelbau-Dora wurde als letztes Konzentrationslager der Nationalsozialisten im Sommer 1943 gegründet. Anlass war die Verlagerung der Produktion der sogenannten „V2“-Raketen von Peenemünde in eine Stollenanlage bei Nordhausen am Rande des Harzes in Thüringen, die von Häftlingen zur unterirdischen Raketenfabrik ausgebaut werden musste. Für die Häftlinge des schnell anwachsenden Lagers bedeutete das ein monatelanges Arbeiten und Leben im Berg unter unbeschreiblichen Bedingungen. 20 000 der 60 000 Menschen, die in Mittelbau-Dora und seinen zahlreichen Außenlagern inhaftiert waren, verloren zwischen August 1943 und April 1945 ihr Leben.

Weitere spannende Aktionen, Vorträge und Diskussionsrunden finden zudem in der Enten-Arena in Mainz-Bretzenheim, auf dem Mombacher Waldfriedhof, im Erbacher Hof des Bistum Mainz sowie abschließend am 31. Januar um 19:05 Uhr im Fanhaus Mainz im Alten Rohrlager (Weisenauer Straße 15) statt. Dort wird unter dem Motto „Von einem Ort des Jubels zu einem Ort des Unrechts“ unter anderem das Projekt „NS-Zwangsarbeit auf Sportplätzen. Auch dort, wo du jubelst?“ vorgestellt.

„Uns ist es wichtig, die Erinnerung an den fürchterlichen Aufstieg der Nationalsozialisten und die grausame Zeit während ihrer Schreckensherrschaft wach zu halten. Gerade in Zeiten wie diesen, wo Nationalismus und Hass sowie Ignoranz, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit wieder erschreckend präsent werden, müssen wir wachsam sein und unsere Stimmen erheben“, so Enten-Präsident Uhlich abschließend.

Das komplette Programm der Erinnerungswochen finden Sie unter Erinnerung - FC Ente Bagdad.

Zum Hintergrund:

Die Initiative „!Nie wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“ wird an den Spiel- und Turniertagen um den 27. Januar 2024 zum 20. Mal die Botschaft des „Nie wieder“ in die Stadien tragen. Damit erinnert sie die Fußballfamilie daran, dass auch Menschen aus ihren Reihen von den Nationalsozialist*innen verfolgt und ermordet wurden.

Die Initiative „!Nie wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“ wurde 2004 mit einem Aufruf weniger Engagierter in der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau ins Leben gerufen. Inzwischen wird der Erinnerungstag ligenübergreifend von vielen Vereinen unterstützt und mit Aktionen begleitet. Im Bündnis sind neben Faninitiativen, Fanprojekten und einem breiten zivilgesellschaftlichen Verbund auch DFL, DFB, Landesverbände des DFB, DOSB und Makkabi Deutschland engagiert.

Weitere Informationen unter https://www.niewieder.info/.

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