Erinnerungsspieltag in der Enten-Arena

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Gemeinsam für Erinnerung und Vielfalt beim Freundschaftsspiel FC Ente Bagdad vs. Makkabi Frankfurt

(Mainz – eig. Bericht) „Liebe Gäste, liebe Enten.

Heute jährt sich der Erinnerungstag im deutschen Fußball zum 20. Mal. Den Anstoß dazu gab die !NieWieder-Initiative, in der auch der FC Ente Bagdad aktiv ist, zum Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945.

Seitdem wird der NieWieder-Gedanke durch den Fußball in die Gesellschaft getragen.“

Mit diesen Worten eröffnete Le Maître der Enten den offiziellen Teil dieser Stadionaktion zum Erinnerungsspieltag im deutschen Fußball am 27. Januar. Weiter führte er aus:

„Wie dringend notwendig dieser Gedanke insbesondere heute ist, zeigt zum Beispiel der Hashtag #Nie-wieder-ist-jetzt, der zur Zeit in den sozialen Medien allgegenwärtig ist. Auch die hunderttausenden, ja Millionen Menschen, die derzeit in ganz Deutschland auf die Straße gehen, skandieren „NieWieder“ auf den Demos gegen Rechts.

Leider war das Gedankengut der Nationalsozialisten in Deutschland nie verschwunden. Seit einigen Jahren ist es präsenter denn je und wird sogar durch eine demokratisch gewählte Partei im deutschen Bundestag vertreten und in die sogenannte „Mitte der Gesellschaft“ gebracht.

Einer Partei, die übelste völkische und rassistische Parolen als Politik verkauft. Die die Demokratie, die sie in diese Position gebracht hat, abschaffen will. Einer Partei, die die Ängste der Bevölkerung perfide ausnutzt, um ihre egoistischen Machtansprüche durchzusetzen. Ohne Rücksicht auf die schlimmen Folgen für ihre Wähler und für die gesamte Bundesrepublik.

Dafür wird Hass gesät, Hass auf alles, was irgendwie anders zu sein scheint. Hetze, Bedrohung und sogar Gewalt sind die Folgen.

Der FC Ente Bagdad steht seit über 50 Jahren für Weltoffenheit, Toleranz und Respekt. Wir sagen: Hass ist keine Meinung, Hetze ist kein Argument und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist keine Basis für ein friedliches Zusammenleben. Nicht in Deutschland, nicht in Europa – nirgends auf der Welt.

Als Zeichen gegen Antisemitismus und für die Solidarität mit unseren jüdischen Freunden veranstalten wir den heutigen Erinnerungstag durch ein Freundschaftsspiel mit Makkabi. Dabei wollen wir auch der zigtausenden unschuldigen Menschen gedenken, sowohl auf israelischer wie auf palästinensischer Seite, die Opfer von Terror und von Krieg geworden sind.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen, die heute hier sind.“

Monika Fuhr, die Beauftragte der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen, bedankte sich für die Einladung und für das Zeichen, das die Enten mit dieser Veranstaltung setzten. Auch sie ging auf die derzeitige politische Lage in Deutschland ein und unterstrich, dass es in Rheinland-Pfalz keinen Platz für Rassismus und Antisemitismus gibt.

Der sportliche Leiter von Makkabi, Ari Leibovici, gab seiner Freude über die langjährige Freundschaft mit dem FC Ente Bagdad Ausdruck. Dabei vergaß er nicht, auf die Schwierigkeiten und die Ängste der jüdischen Mitbürger wegen antisemitischer Bedrohung hinzuweisen, die in den letzten Jahren und insbesondere nach dem 7. Oktober 2023 noch einmal größer geworden sind. Abschließend richtete er einen Appell der Solidarität, der Toleranz und des Respekts an die zahlreichen Zuschauer und Spieler.

Mit ein paar Minuten Verspätung und im Schein der bereits untergehenden Sonne betraten die Spieler beider Mannschaften das Spielfeld; die Enten-Kicker mit Kippa als Zeichen der Solidarität. Einer Gedenkminute für die Opfer der Shoa sowie die Opfer des Krieges in Israel und Palästina folgte der Austausch der jeweiligen Vereins-Devotionalien durch die beiden Spielführer. Dann pfiff Schiedrichter Wurzel die Partie endlich an.

Ein detaillierterer Spielbericht ist an dieser Stelle zu lesen. Es sei hier nur gesagt, dass es in der ersten Halbzeit hin und her ging und man von einem fast ausgeglichenen Spiel sprechen konnte. In der zweiten Halbzeit, die durch unseren sechsjährigen ukrainischen Nachwuchsschiedsrichter Mattwi angepfiffen wurde, ging es dann praktisch nur noch hin, nämlich in Richtung des Entenstrafraums. Der Endstand war zweitrangig, denn am Ende gingen Enten und Makkabäer als Sieger vom Platz.

Die dritte Halbzeit dauerte dann bei intensiven Gesprächen noch ungefähr genauso lange wie das gesamte Fußballspiel, und schließlich verabschiedete man sich in noch tieferer Freundschaft, als man einander begrüßt hatte. So soll es sein!

Ein Team des SWR Fernsehens fing ein paar Bilder und Stimmen ein, die in der abendlichen Nachrichtensendung SWR Aktuell ab 19:30 Uhr bereits gesendet wurden und an dieser Stelle zu sehen sind. Aber da saßen Enten und Makkabäer noch zusammen.

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