Enten in Manchester

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Enten auf der Insel des Linksverkehrs – und lernen „Pressing im Nässing“ kennen

Eine teils mit Verspätung angereiste Enten-Formation verbrachte ein grandioses Wochenende im Mutterland des Fußballs. Manchester war ein tolles Erlebnis, und selbst notorische Kritiker befleißigten sich lobender Worte. Daher auch gleich zwei Berichte von unterschiedlichen Erstattern.

Am Wochenende um den 22. Mai herum führte uns die Reise nach Manchester, wo wir gegen ein lokales Ligateam des Heston FC spielten.

Einen kurzen Filmtrailer als Appetithäppchen gibt es hier zu sehen.

 

Enten auf der Insel des Linksverkehrs

(Eric d.F.) Kaum gelandet, stürzten sich die Enten in die kulturelle Erfahrung England, Hunderennen, „lokale“ Cuisine, angeblich lauwarmes Bier ohne Schaum, und am Samstag achteten die Rheinhessen beim Überqueren der Straßen brav auf den Linksverkehr. 

Am Sonntag hatten sie diese verkehrte Fahrweise scheinbar so sehr verinnerlicht, dass sie nicht Richtung gegnerisches Tor stürmten, sondern in ihrer eigenen Hälfte spielten. Nur Jens, der selbst in Manchester wohnt, konnte sich auf dem grünen Karree richtig orientieren und kam in den alleinigen Zweikampf mit seinem Kumpel, dem englischen Torhüter. Zur 2. Halbzeit nahmen die Gäste den Engländer Caino mit ins Boot. Er lenkte deren Spielaufbau trotz starker Windböen wie ein fleißiger Seemann mehr in die gegnerische Hälfte. Ein einziges Mal schimmerte der Ansatz einer Hoffnung am Horizont, als Mokka eine Schussvorlage von ihm erhielt. Allerdings zeigte der englische Keeper sein Können und parierte Mokkas Chance.  

Dennoch sanken die Enten nicht sang- und klanglos. Werner hatte sein Erfolgserlebnis, als er einen der Gastgeber elegant austanzte. Das hohe Pressing und die ununterbrochenen britischen Sturmwellen von der ersten bis zur letzten Spielminute sorgten dafür, dass bei den Enten Torhüter und Innenverteidiger die meisten Ballkontakte hatten. 

Überraschend war dies nicht, denn das FC Heston-Team war eine durchtrainierte Vereinsmannschaft, mit Erfahrung aus höheren Ligen. Das sofortige Forechecking durch die Engländer machte den Gästen sehr zu schaffen. Drei Tore kassierten die Enten, weil sie kurz nach Balleroberung das Leder verloren und nicht mehr in der Lage waren, dicht zu machen. Ein vierter Treffer fiel, nachdem bei einem raschen Angriff über die linke Außenbahn Enten nach links geködert wurden. Ein gezielter Querpass landete nun bei einem von mindestens drei freien Engländern, der die Kugel direkt platziert ins Gehäuse schoss. Und obwohl den Mainzern eine zweistellige Niederlage vorhergesagt wurde, stemmten sie sich erfolgreich dagegen. Sie retteten z.B. bei einem gegnerischen Angriff gleich viermal heldenhaft auf der Linie, bevor die Situation endgültig geklärt wurde. 

Von allen Bagdad-Vertretern hat die Nr.1, Lord Goal Keeper, die Niederlage mit Sicherheit am allermeisten genossen: Er organisierte das Zusammenspiel mit der Abwehr trotz geringstem Freiraum. Immer wieder musste er den eigenen Strafraum kreuzen, ihn gar verlassen, um die Kugel vor den Anhängern des Kick and Rush-Stils schnell zu entfernen. Auch das Agieren in der 3. Dimension wurde gefordert – hohe Ecken und Flanken galt es zu entschärfen. Last, but not least, war auch das Hechten mit anschließender Landung auf dem fetten englischen Rasen ein überaus stylisches Dive-Training für den Torwart.

Wohlwollend beobachtete dies in typisch britischen Understatement der „Man of the Match“: Der Schiedsrichter traf klare Entscheidungen und hatte dadurch das Ruder fest in der Hand. So fing die Partie fair an und blieb fröhlich bis nach dem Schlusspfiff. Außerdem hatte er ein Gespür für das Besondere: Im zweiten Durchlauf befand sich hinter dem Entenkasten eine Mauer und noch weiter ein Zaun mit Stacheldraht. Dem Gegner hatte der Mainzer Schlussmann empfohlen, flach zu schießen. Als ein Einheimischer dennoch weit über den Zaun schoss, gab der Schiri humorvoll dem Täter eine gelbe Karte!

Gemeinsam hat das Bagdad-Team gespeist, gekämpft und gelacht. Auf der Insel des Linksverkehrs bewiesen endgültig die Enten mit gehobenem Schnabel und breitem Lächeln im Gesicht: „You'll never watschel alone“.


Enten lernen „Pressing im Nässing“ kennen

(Christian H.) Freitag Mittag, Frankfurt am Main, Deutschland: 25 Grad, blauer Himmel, Frühsommer. Sonntag Morgen, Manchester, England: keine 15 Grad, Sturmböen, Regen. Sonntag Nachmittag, Bolton, immer noch England, 20 Grad, Sonnenschein (If you don‘t like English weather, just wait five minutes).

Zwischen diesen Wetterextremen bewegten sich rund 15 Enten an einem dieser legendären Enten-Wochenenden im Großraum Manchester und erfreuten sich an dem von Werner und Jens zusammengestellten Programm. Dieses begann mit einer rund 70 Minuten langen Führung durch Old Trafford, der Heimstätte von Manchester United. Geniale Einblicke in das „Theatre of Dreams“, die Katakomben des 76.000 Zuschauer fassenden Stadions. Überwältigt verließen die Enten den Ort, an dem, wieder einmal, Manchester United die englische Meisterschaft – gibt's auch eine Schale? – feiern konnte. Absolutes Highlight: Der Trikotkontakt in der Umkleidekabine und der Einlauf ins „vollbesetzte“ Stadion.

Der Besuch sollte jedoch nur der Auftakt zu einem Wochenende mit Highlights werden. Da war zum Beispiel die Skybar im 23. Stock des Hilton Hotels in der Innenstadt von Manchester. Noch mehr als die Ausblicke aus luftigen Höhen waren die Enten begeistert vom Ausblick auf die Mädels der Highschools von Manchester, die mit riesigen Absätzen, engen Kleidern und turmhohen Frisuren ihren Abschlussball in eben jenem Hilton zu eben jener Stunde begannen. Erinnerungen an Damaskus und die Nr. 19 wurden wach...

Nachdem am Samstag dann auch die letzten Enten den Weg nach Manchester – mehr oder weniger direkt – gefunden hatten, folgte nach einem Stadtbummel mit Führung und Museumsbesuch (MOSI) ein kulinarischer Leckerbissen in der Chinatown von Manchester. Gefolgt von einem Überraschungsbesuch auf einer Rennbahn für? –Für Windhunde! Spektakuläre Kurvenläufe, riskante Wetteinsätze faszinierten die Enten ebenso wie die rund 500 Zuschauer am Rande von Manchester.

Der Sonntag begann mit einem in vielerlei Hinsicht tristen Kick. Regen, Wind und ein Gegner, der unabhängig von der Windrichtung ein energisches Pressing ausübte. So waren die Enten nach diesem weitgehend chancenlosen Kick mit dem 0:4 gerecht bedient, wenngleich die Tore unnötig waren. Ein erfolgreicheres Auswärtsspiel absolvierte am Nachmittag Manchester City bei den Bolton Wanderers, knapp 20 Eisenbahnminuten vor den Toren von Manchester. Das Spiel wurde von City souverän mit 2:0 gewonnen, wodurch sich die „Hellblauen“ direkt für die Champions League qualifizieren konnten. Entsprechend hallte es durch den Innenraum: „City, City, best team in the land, in all the world“. Den Abschluss des Abends bildete ein Besuch auf der Curry-Meile von Manchester.

Die verbliebenen Enten verbrachten den abschließenden Montag mit Sturm, sich nähernder Vulkanasche und Regen bei „Full English Breakfast“, Fish & Chips, im Hard Rock-Café, im Manchester City-Store und bei einigen Bieren im Flughafen, wo intensive Diskussionen des Vorabends über Mainz 05 und Eintracht Frankfurt sowie die Ungerechtigkeiten dieser Welt ihre Fortsetzung fanden.

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