Allgemeine Zeitung Mainz – Interview mit der Wortpiratin

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Artikel in der lokalen Presse zum Interview

Im Anschluss an das Interview in der Entenarena veröffentlichte die AZ Mainz zunächst einen Zusammenschnitt im Video. Nun folgte ein Artikel in der gedruckten Ausgabe der Zeitung.

Hier ist der Text:

Wortpiratin rot-weiß: Mara Pfeiffer bei den Integrations-Kickern von „Ente Bagdad“

Von Mara Pfeiffer

MAINZ - Mitten in seiner Erzählung bricht Stefan Schirmer die Stimme. „Sorry“, murmelt er, als er sie wiederfindet. Hinter seiner Brille schimmern Tränen. Es gibt keinen Grund, sich zu entschuldigen… Schirmer, Mitglied im 1973 gegründeten Hobby-Fußballteam „Ente Bagdad“, hat von den Kultur-Kick-Reisen der Enten erzählt. Eine davon führte sie im März 2005 nach Syrien. Mit-Ente Imad hatte den Aufenthalt in seinem Heimatland organisiert. „Auch damals war längst nicht mehr alles gut dort“, erinnert sich Schirmer. „Trotzdem ist das kein Vergleich mit der Situation heute. Zu sehen, wie alles zerstört worden ist…“ Die Erinnerung an die Tage in Syrien und die Ahnung davon, wie es heute dort aussieht, bewegt Schirmer zutiefst.

„Offen für alle(s)“, das war von Anfang an das erklärte Motto der Enten. „Langeweile“ sei ein Antrieb der gründenden Studenten gewesen, sagt Schirmer, der zwei Jahre später hinzukam, grinsend. Und die Erkenntnis, dass sie alle gerne gegen den Ball kicken. Was zunächst zwischen Teppichstangen auf einer Wiese nahe des ZDF geschah. Die Locations wechselten häufig, bis die Enten als Sondermannschaft unters Dach des 1986 gegründeten Vereins Vitesse Mayence schlüpften. Seither tragen sie ihre Spiele in der „Entenarena“ in Bretzenheim aus.

Neben den Hobbyfußballern im gemischten Team vom Teenie bis zum bewegungsrüstigen Rentner, die vor allem der Spaß am Spiel verbindet, unterhalten die Enten inzwischen eine Jugendmannschaft mit Geflüchteten und Deutschen im Ligabetrieb. Die knüpft an die innerste Einstellung der Enten an, die sich „gegen jede Form von Ismus“ einsetzen, sprich: gegen alles Trennende. Man sei immer weltoffen gewesen. „Das war für uns selbstverständlich.“

So kam es, dass die Mitglieder von Ente Bagdad irgendwann in der Zwerchallee aufschlugen, um den dort untergebrachten Geflüchteten anzubieten: Wenn ihr eine Heimat im Sport sucht, bevor dieses Land so weit ist, euch Heimat zu sein, kommt zu den Enten. „Das ist Teil unserer DNA“, erklärt Schirmer. Und die aus ihrer Heimat Geflüchteten kamen. Um die 60 von ihnen spielen bei Ente Bagdad, deren Einstellung sich schnell verbreitete. „Sie haben gemerkt, wir unterscheiden uns von klassischen Thekenmannschaften“, sagt Schirmer.

Die 2016 gegründete Jugendmannschaft wird von sechs erwachsenen Enten betreut, deren Aufgabe es unter anderem ist, sie zu Spielen zu fahren. Geht es um Trainingskleidung, Schuhe oder moralische Unterstützung, ist die Zusammenarbeit mit Mainz 05 prägend, zum einen die offizielle Seite, die im Bündnis „Willkommen im Fußball“ des Bundesligisten mit den Enten und der Stiftung Juvente Ausdruck findet. Zum anderen sind da 05-Profis wie Niko Bungert, die regelmäßig in Bretzenheim vorbeischauen und die jungen Kicker unterstützen.

„Dafür sind wir unheimlich dankbar“, unterstreicht Schirmer, schließlich sind die Enten für ihre grundsätzliche Finanzierung und die der Jugendmannschaft auf Fördergelder und Spenden angewiesen. Und natürlich bringt die Zusammenarbeit mit den 05ern auch eine besondere Form von Aufmerksamkeit, von der Ente Bagdad insgesamt profitiert.

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Kommentar von Kalli |

Schöner Beitrag. Toll gemacht Stefan.
Deine Emotionen wegen Syrien kann ich gut nachvollziehen,
es geht mir oft ähnlich wenn ich die aktuellen Bilder von dort sehe.