Ente Bagdad ./. Mainz 05 Ultras 3:2

(Kommentare: 3)

Freundschaftsspiel mit Zeichen gegen Antisemitismus

Im Rahmen eines Freundschaftsspiels gegen die Ultras des 1. FSV Mainz 05 am Samstag, dem 28. April, liefen alle Spieler mit Kippa auf und setzten damit ein Zeichen gegen Antisemitismus​.

Als Zeichen der Distanzierung gegen die wiederholten Angriffe auf Menschen jüdischen Glaubens setzte der FC Ente Bagdad, diesjähriger Integrationspreisträger des DFB, im Rahmen eines Freundschaftsspiels gegen die Ultras von Mainz 05 erneut ein Zeichen gegen Antisemitismus. Spieler beider Teams liefen vor dem Anpfiff mit Kippa auf.

Für den FC Ente Bagdad ist es beschämend, dass sich Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland nicht mehr sicher fühlen.

Antisemitische Übergriffe sind auch Angriffe auf uns.

Wir werden als FC Ente Bagdad weiterhin eng mit der „!Nie Wieder“-Initiative zusammen arbeiten, wir freuen uns über unsere Vereinsfreundschaft zu TuS Makkabi Deutschland und wir werden uns auch weiterhin zusammen mit dem 1. FSV Mainz 05 für die jährlichen Gedenk- und Erinnerungstage engagieren. Auch in unserer Arbeit mit Flüchtlingen unterstreichen wir, dass ein Bekenntnis gegen Antisemitismus Voraussetzung für Teilhabe ist.

Bei diesem Freundschaftsspiel liefen beim FC Ente Bagdad wieder Spieler aus vielen unterschiedlichen Kulturen auf. Wir fragen nicht nach der Herkunft, bei uns ist jeder willkommen, der sich für eine tolerante Gesellschaft einsetzen möchte. Vielfalt ist eine Stärke und sie tut unserer Stadt Mainz gut. Gemeinsam stehen wir an der Seite unserer jüdischen Mitbürger.

Hier Josephs Spielbericht:

Den Spielern beider Mannschaften war früh klar, dass das heute kein gewöhnliches Freundschaftsspiel wird. Das Spiel fällt in eine Zeit, in der Menschen jüdischen Glaubens immer wieder Ausgrenzung erfahren. In Schulen, auf Sportplätzen, bis hinein in die Mitte der Gesellschaft. Das Bild, wie ein junger israelischer Bürger am helllichten Tag im weltoffenen Prenzlauer Berg angefeindet wird, beschämt uns und macht sprachlos.

Im Rahmen dieses Freundschaftsspiel gegen die Ultras von Mainz 05 wollten wir daher ein sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Viele Spieler laufen an dem Tag mit einer Kippa auf.

Natürlich aber ging es auch um Fussball. Spielbeginn war bei bestem Wetter 16:30 Uhr in unserer Entenarena in Mainz-Bretzenheim. Die Enten hatten den besseren Start ins Spiel. Konzentrierter Spielaufbau, schnelle Vorstöße in offene Räume und immer wieder starke Szenen im Strafraum des Gegners. Doch gegen die Abwehr und den starken Keeper der Ultras war lange Zeit nichts zu machen.

An die Stelle gehört auch ein großes Kompliment an die Ultras von Mainz 05. Wir haben uns gefreut, die Jungs und das Mädel (!) bei uns zu Gast zu haben. Ihr seid eine wichtige Stütze der Mainzer Fankultur, sozial engagiert, große Klasse. Auch das Freundschaftsspiel war zu jeder Zeit von Fairness und Sportsgeist geprägt.

Der Druck der Enten nahm gegen Ende der ersten Halbzeit noch einmal zu, und so fiel das erste Tor kurz vor der Halbzeit. In der zweiten Halbzeit wechselten beide Mannschaften noch einmal durch. Das merkte man dem Spiel an, welches jetzt viel ausgeglichener war, eine spannende Auseinandersetzung auf Augenhöhe. Zwar konnten die Enten noch einmal auf 2:0 erhöhen, doch der Anschlusstreffer lag in der Luft und er kam dann auch zur Mitte der zweiten Halbzeit. In der heißen Schlussphase fielen nämlich noch zwei weitere Treffer. Zunächst durch die Enten, die auf 3:1 erhöhten, und dann wiederum der Anschlusstreffer kurz vor Schluss. Am Ende stand ein knapper, aber verdienter Heimsieg gegen die Ultras mit 3:2.

Aber das Ergebnis des Freundschaftsspiels stand an diesem Tag nicht im Vordergrund. Wichtiger war den Spielern, zu zeigen, dass Ausgrenzung und Intoleranz im Fussball keine Chance hat. Antisemitische Übergriffe sind auch Angriffe auf uns. Gemeinsam stehen wir an der Seite unserer jüdischen Mitbürger.

You'll never watschel alone.

Teilnehmende Spieler beim FC Ente Bagdad: Samir, Joseph, Mario, Shady, Eric der Franzose, Uli, Hendrik, Carlos, Ralf, Dirk, Jan-Niklas, Qasem, Ali F., Matthias D., Werner, Matze, Amir.

Anzumerken ist an dieser Stelle noch die außerordentliche Fairness beider Mannschaften, die darin gipfelte, dass jeweils sowohl ein sehr unglücklicher Handelfmeter gegen als auch ein umstrittener Foulelfmeter für die Ultras lediglich als Rückpass vom Elfmeterpunkt auf den gegnerischen Torwart ausgeführt wurden. Großer Sportsgeist! [die Red.]

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Kommentar von Werner Pilsner |

Du bist ja schneller als der Holtmann

Kommentar von Werner Pilsner |

Was für ein mutmachendes Signal, wenn sogar unsere muslimischen Mitspieler mit dem Tragen der Kippa ihre Solidarität ausdrücken. SO GEHT GESELLSCHAFT !!!!

Kommentar von widower |

Ihr leistet wirklich tolle Arbeit. Aufmerksam geworden auf Euch bin ich durch einen alten Kommilitonen und Sportkameraden, der bei Euch aktiv war oder auch noch ist (Mustapha Smail). Ein genialer Techniker und Dribbler mit einem beklagenswerten Mangel an Effektivität. Wir haben uns nie wirklich über Politik unterhalten, es würde mich aber interessieren, ob er noch dabei ist und die begrüßenswerte Aktion gegen Antisemitismus mitgetragen hat.